Ärztecamp International e.V.
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Projektbericht Ladakh 2018

                                                           Projektbericht Ladakh             08.09-2018 – 23.09.2018                                  Ärztecamp International e.V. Deutschland Ärztecamp International e.V. Kam mit einem Team  von einer Chirurgin, einem Chirurgen, einer Anästhesistin, einer Kinderärztin, einem Internisten, einer Dermatologin, einer Gynäkologin, einer Anästhesieschwester, einer Physiotherapeutin und einer Refraktionsoptikerin nach Ladakh. Ärztecamp International e.V. Teilnehmer Dorothea Licht (Physiotherapie und Organisation/Leitung des Camps) Dr. Christine Kufner (Anästhesie) Dr. Oskar Hellerer (Chirurgie/Orthopädie) Dr. Sarah Biederbick (Chirurgie) Dr. Eduard  Brand  (Innere Medizin) Dr. Steffi Sammet (Dermatologie) Dr. Astrid Pihan  (Gynäkologie) Dr. Heidi Olischläger( Kinderheilkunde) Sylvia Brunthaler (Anästhesie Assistenz) Irmgard Balser     (Refraktionsoptik und Brillen) Eigenleistung der Camp – Teilnehmer: Ca. 300 €  pro Person für Transport vor Ort im Land, Unterkunft und Verpflegung im Mahabodhi Meditationszentrum bei Leh- Ladakh und ca. 750 € für Flug von München nach Delhi und von Delhi nach Leh in Ladakh Medizinisches Equipment: Nahtmaterial Kunststoffgipse Desinfektionsmittel Mundschutz Sterile OP- Handschuhe Untersuchungshandschuhe Medikamente Gehstützen Gebrauchte, gesammelte und im Vorfeld in Deutschland ausgemessene Brillen zur kostenlosen Vergabe an die Patienten (ca. 1500) Verbandsmaterial und Pflaster Spezialnadeln zur Spinalanästhesie Pulsometer Larynxmasken Laryngoskop Ambu Beutel EKG Gerät Einige chirurgische Instrumente Anreise: Flug mit Lufthansa von München nach Delhi, Weiterflug mit Jet Air nach Leh, Weiterfahrt von Leh zum Mahabodhi  International Meditation Center bei Choglamsar ca. 20 km von Leh entfernt Dort herzlicher Empfang mit Gesang durch eine Gruppe von Schülerinnen in einheimischer Tracht Das ausgedehnte  Mahabodhi Zentrum beinhaltet neben dem Medtitationszentren, Schulen, ein Altenheim, Gästehäuser und ein Krankenhaus. Das Krankenhaus verfügt über mehrere Behandlungszimmer, davon eines für augenärztliche und eines für zahnärztliche Tätigkeiten. Es verfügt über einen Operationssaal, in dem nahezu alle gängigen Eingriffe durchgeführt werden könnten, wenn die Geräte funktionieren würden. So war der vorhandene Elektrokauter (Ergotom) defekt und somit nicht einsatzfähig und das Narkosegerät nur zum Teil brauchbar. Ein Aufwachraum und drei Zimmer mit mehreren Betten ergänzten die Klinik. Die Küche des Klosters Mahabodhi Zentrum versorgte uns täglich mit drei vorzüglichen landestypischen vegetarischen Mahlzeiten. Tagesablauf: Die Operationen und  die konservativen Behandlungen begannen um neun Uhr morgens und endeten in der Regel gegen 17 Uhr mit einer einstündigen Mittagspause. Die Patienten wurden in der Klinikaufnahme von einheimischen Helfern registriert und den jeweiligen Fachbereichen zugeteilt. Für jeden Patienten wurde ein Protokoll angelegt, in dem alle Daten und Messergebnisse, wie Anamnese, Blutdruck, Herzfrequenz , Größe, Gewicht, Temperatur, Laboranalysen und die verordneten Medikamente erfasst wurden. Die verordneten Medikamente konnten, falls sie nicht vom Ärzteteam abgegeben wurden, in der klinikeigenen Apotheke bezogen werden. Beschaffenheit der Räume und Hygiene: Die Bettenräume und die Behandlungsräume waren in einem annehmbaren Zustand. Der OP war  unzureichend sauber und konnte erst durch eine Grundreinigung durch das Anästhesieteam bezogen werden. Medikamente und Instrumente waren ebenfalls in einem unzureichenden Zustand (Verfallsdatum weit überzogen) , sodass zuerst Ordnung geschaffen werden musste. Die chirurgischen Instrumente waren in ihrer Auswahl für diverse Eingriffe unzureichend, unvollständig oder nicht brauchbar.  Wie oben beschrieben war der Elektrokauter funktionslos, sodass größere Operationen nicht durchgeführt werden konnten. OP Kleidung und Instrumente wurden in einem Dampfsterilisator aufbereitet. Patientengut: Chirurgie: Insgesamt wurden nur elf Operationen bei 65  untersuchten Erwachsenen durchgeführt. Darunter war eine Hauttransplantation von Inselläppchen entnommen am Oberschenkel (Reverdin Läppchen) auf einen Defekt am Fersenbein, die beim Verbandswechsel nach vier Tagen zu 90 % angegangen waren. Die sonstigen Eingriffe beschränkten sich auf Hauttumoren (Warzen, Keloide, Lipome), die in Lokalanästhesie operiert werden konnten. Auf Grund des fehlenden Equipments konnten andere Eingriffe nicht durchgeführt werden (fehlendes Ergotom, unzureichende Instrumente, unzureichende Anästhesiemöglichkeit). Das Hauptkontingent der Patienten war auf orthopädisch konservativem  Gebiet  (Knie, Wirbelsäule, Schulter). Hier wurde Krankengymnastik oder eine intraartikuläre oder perifokale Injektion von Cortison und Lokalanästhetikum vorgenommen. Anästhesie: Die Anästhesie versorgte die Patienten, bei denen chirurgische Eingriffe durchgeführt wurden, je nach Bedarf mit Spinalanästhesie TIVA mit LAMA oder Sedoanalgesie.  Sie organisierte die postoperative Schmerzmedikation oder, falls nötig, analgetisches Management bei nicht operierten Patienten. Bei 3 Patienten fand eine Infusionstherapie und i.v. Antibiose statt. Ein akut aufgetretener Apoplex wurde medizinisch erstversorgt und ins örtliche Krankenhaus transferiert. Die internistische Anamneseerhebung erfolgte teilweise durch die Anästhesie. Das anästhesiologische Equipment war sehr mangelhaft. Das Narkosegerät (ohne maschinelle Beatmung) war nicht zu benutzen da keine passenden Schläuche und Adapter vorhanden waren. Der Defi war nicht funktionstüchtig. Das vorhandene Monitoring funktionierte nur teilweise. Es gibt in der Klinik keine Opiate und Relaxantien. Auf andere vorhandene anästhetische Medikamente konnte man nur bedingt zurückgreifen, da zum Teil abgelaufen und unsteril. Pädiatrie: „In diesem Projekt habe ich erstaunlicher Weise nur 75 Kinder gesehen. Mein Gesamteindruck: die Kinder sind gut ernährt meist schon vordiagnostiziert oder vorbehandelt keine schweren Krankheitsbilder es wurde kein behindertes Kind vorgestellt. Besondere Krankheitsbilder waren: Kongenitale Hüftdysplasie Gallensteine bei einem Zweijährigen Enuresis nocturna Angeborene Nierenzysten einseitig Keuchhusten Cholesteatom Masturbation Daneben das typische pädiatrische Spektrum : Appetitstörungen Atemwegsinfekte Rezidivierende Bauch- oder Beinschmerzen Bestätigung, dass es sich um ein gesundes Kind handelt. Da ich nicht ausgelastet war, habe ich auch erwachsene Patienten gesehen. Auch hier meist das typische Spektrum der Klagen: Rückenschmerzen, Knieschmerzen, Magenschmerzen, bzw. all body pain. Der einzige schwer erkrankte Patient war ein 93jähriger Diabetiker mit schwerster Exsikkose. Ich habe Wert darauf gelegt, dass jedes Kind (und nach Vorhandsein von Albendazol auch jeder Erwachsene) eine Entwurmung und jedes Kind Vit. A Prophylaxe erhielt, Ich habe bei den meist desaströsen Zähnen der Kinder entsprechend beraten“. Innere Medizin: Arbeit mit Dolmetscher: Kunzes Angmo Betreute Patienten:155 Untersuchungsgeräte: elektrischer RR Messer EKG Sonographiegerät Elektrischer Fieberthermometer Ca. 80% der Patienten beklagten: gastric problem. Vermutlich bedingt durch die scharf gewürzten Speisen pain all over the body: multiple degenerative arthrotische Schmerzen bei ungünstigen Arbeitsbedingungen Der Rest teilte sich auf in: Infekte- der Atemwege einschließlich Tuberkulose Infekte der Nieren Äußerlich sichtbare Tumoren, darunter bizarr anmutende Strumen III° Postmenopausale Symptomatik kardiale Notfälle (Ischämien, Infarkte, Rhythmusstörungen) ca. ein- bis fünfmal pro Tag stationäre Einweisungen in das Central Hospital Leh Fazit: Viele Patienten kamen zu einer „normalen“ allgemeinärztlichen Sprechstunde. Unser Ärztecamp wurde vermutlich aufgesucht, da wir eine Novität darstellten und konzentrierte ärztliche Zuwendung mehrerer Fachdisziplinen gleichzeitig anboten.   Gynäkologie: 35 bis 45 Patientinnen pro Tag, insgesamt 280 Patientinnen Häufige Diagnosen: Colpitiden Zystitiden Spiralkontrollen Spiralwechsel Lichen sclerosus Unerfüllter Kinderwunsch Ovarialzysten Endometriumhyperplasie Polypen Harninkontinenz Seltene Diagnosen: ein Verdacht auf Ovariakarzinose ein großer Urethralpolyp Mastodynie Senkungsbeschwerden Schwangerschaftskontrollen ein inkompletter Abort Dermatologie: 200 Patienten, Alter von einigen Monaten bis ins hohe Greisenalter (über 90 Jahre) Diagnosen: Akne vulgaris Ekzeme, sowohl atopischer als auch kontaktallergischer Genese Chloasma bedingt durch die klimatischen Bedingungen Exsiccationsekzeme wegen austrocknendem Klima (Fußragaden Cheilitis sicca,...) Pilzerkrankungen mit Bevorzugung der Kopfhaut chronische Lichtschäden Keloide nach Verbrennungen Seborrhoische Ekzeme Follikullitiden Verr. vulgares impetiginisierte Ekzeme Krankengymnastik: Ca. 20 Patienten vom Orthopäden,  der Dermatologin, des  Internisten und der  Gynäkologin überwiesen. Diagnosen: Descensus genitalis,  Gonarthrose,  frozen shoulder,  Trapezius Myogelosen, back pain, Lumbago, Varicosis (wurde mit Kompressionsverband behandelt) Epicondilitis. Die Patienten wurden mit manueller Therapie  behandelt und mit Übungen für zu  Hause unterwiesen. Optik 350 Patienten, Alter von 4 bis 94 Jahre, vorwiegend ab 45 Jahre Nahezu alle Patienten erhielten eine Sonnenbrille, um die Sonneneinstrahlung in dieser Höhenlage und damit Schädigung der Sehfähigkeit  zu mildern. Myopie lag in 90 % der Fälle vor Pterygium (Flügelfell) sehr häufig sowohl  ein- als auch beidseitig (an Augenarzt verwiesen) Katarakte ein- und beidseitig (an Augenarzt verwiesen) Bei vielen Patienten mit vorausgehender Katarakt-Operation war die Sehfähigkeit dennoch vermindert, vermutlich durch eine altersabhängige Makuladegeneration. Ca. 300 Sonnenbrillen und 200 Lesebrillen der Stärken +0,5 bis + 3,5 Dioptrien, ausgegeben. Ca. 180 gespendete und ausgemessene Brillen verschiedener Stärken angepasst. Fazit: Das Ergebnis des Ärzteteams war zufriedenstellend. Obwohl gerade im operativen Bereich wegen mangelnder Hygiene und Ausstattung keine größeren Eingriffe durchgeführt werden konnten. Kompensiert wurden die Mängel durch das Zuvorkommen und die außerordentliche Freundlichkeit der Dolmetscher und des Restes der ladakhischen Bevölkerung. Der enge Kontakt zur Bevölkerung durch die ärztliche Tätigkeit ist für einen Fremden von außergewöhnlichem Nutzen. Dr. Oskar Hellerer Chirurg/Orthopäde 24. September 2018
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