Ärztecamp International e.V.
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Bangladesh 2017

22.01. – 06.02. 2017 Ärztecamp International e.V. Deutschland In Zusammenarbeit mit Friendship Bangladesh und Emirate Airline Foundation Emirate Airline Foundation www.emiratesairlinefoundation.org  sponsert jedes Jahr Flüge nach Bangladesch für ehrenamtlich medizinisch tätige Teams aus verschiedenen Ländern, um dort die bengalische Organisation Friendship auf ihren Schiffen medizinisch zu unterstützen. Friendship www.friendship-bd.org  ist eine bengalische Organisation, die der verarmten ländlichen Bevölkerung durch Gesundheitsprojekte, Bildung, soziale Fürsorge und Familienplanung Unterstützung gewährt. In diesem Jahr wurde von Ärztecamp International e.V. zwei Teams von insgesamt 6 Ärzten, 3 Krankenschwestern und einer Physiotherapeutin nach Bangladesch entsandt, um ein orthopädisch- chirurgisches und ein viszeral-chirurgisches Camp auf dem Rongdhonu Floating Hospital im Golf von Bengalen abzuhalten. Teilnehmer: Friendship Bangladesh: war mit einem einheimischen Arzt (Allgemeinarzt), 1 Apotheker, 2 OP Pflegern, 3 Krankenschwestern und einer Schiffscrew vertreten, die permanent Dienst auf dem Schiff leisten. Mit fachärztlicher Diagnostik und Therapie (Operationen) unterstützen mehrmals im Jahr spezialisierte Ärzteteams aus aller Welt (für jeweils 7 Tage) dieses feste Hospitalschiff Team. Ärztecamp International: stellte im ersten Team 1 Chirurgin, 1 Orthopäden, 1 Anästhesisten, 1 Intensivschwester, 1 Pädiaterin und 1 Physiotherapeutin und im zweiten Team 1 Chirurgin, 1 Anästhesistin, 1 Anästhesieschwester und 1 Praxisassistentin zur Mitarbeit zur Verfügung. Leistung der Partner:         Emirate Airline Foundation         Übernahm die Kosten der Flüge von München nach Dhaka.          Friendship Bangladesh organisierte den Transport, die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer  auf dem Schiff. im Vorfeld Screening der operativ zu versorgenden Patienten durch Dr. Rashed.  Einbestellung der Patienten, die täglich an Bord selektioniert  wurden. (ca. 220 Patienten pro Tag) Die Patienten wurden, je nach Beschwerden, bereits Vorort  für die verschiedenen Disziplinen mit Handzetteln (Augen, Zähne, Allgemein) ausgewählt. Sie zahlen einen verschwindend geringen Betrag für die Behandlung Der Transport der Patienten zum Floating Hospital erfolgte mit Motorbooten, Rücktransport der operativ versorgten Patienten meist am ersten postoperativen Tag. Untersuchung Operationen Medikamentenversorgung, Verpflegung der operierten Patienten           Ärztecamp International: Teilnehmer: Dr. Sarah-Elisabeth Biederbick (Chirurgie) Sylvia Brunthaler (Anästhesieschwester) Nicole Grassler (Intensivschwester) Dr. Jörg Hausdorf (Orthopäde) Dr. Barbara Herter (Chirurgin) Nadja Hylla (Praxisassistentin) Dr. Christine Kufner (Anästhesie) Dorothea Licht  (Physiotherapie) Dr. Michael Nosseir  (Anästhesie) Dr. Adelheid Olischläger (Kinderärztin) Eigenleistung ca. 550 Euro pro Person (Transport im Land selbst, Unterkunft, Verpflegung) Mitführung von medizinischem Equipment: o Chirurgische Instrumente o Nahtmaterial o Netzimplantate, (gesponsert durch die Firma Braun ca. 6000 Euro) o Desinfektionsmittel o Ultraschallgerät o proktologische Ausrüstung o Spinalnadeln o OP Kleidung o Verbandsmaterial o Medikamente o Beatmungsmasken o Güdeltuben o Pulsoxymeter o Laryngoskop o Tuben o Larynxmasken o sterile Abdecksets o sterile Handschuhe o Orthesen o Gehstützen Ablauf der Anreise (1. Gruppe): Flug mit Emirates von München über Dubai . Wir erreichten  Dhaka am späten Nachmittag. Nach einem kurzen Briefing am Flughafen durch Friendship Mitglieder erfolgte der Transport zum Hotel in Dhaka. Am nächsten Morgen erfolgte das offizielle Briefing in der Zentrale von Friendship. Danach Transfer zum Flughafen und Inlandsflug nach Cox’s Bazar ganz im Süden an der Grenze zu Myanmar. Hier wurden wir von einem weiteren Friendship Mitarbeiter freundlich empfangen. Die Reise ging mit einem Kleinbus und Polizeibegleitung weiter. Insgesamt wechselte die bewaffnete Polizeibegleitung 5 mal an den jeweiligen Bezirksgrenzen. Nach der ca. 3 stündigen Fahrt erreichten wir die Anlegestelle zum Übersetzen auf die Insel Kutubdia. Dort folgte die 45 minütige Überfahrt mit einem Motorboot, das all unser Gepäck und uns an Bord nahm und uns auf das vor der Insel liegende Hospital Schiff Rongdhonu (Regenbogen) brachte. Dort wurden wir sehr herzlich von der Crew des Schiffes begrüßt. Dr. Rashed zeigte uns unsere Zwei-Bett- Kajüten, die wir sogleich bezogen. Danach wurden wir durch das Schiff und seine medizinischen Einrichtungen geführt und es folgte noch am Nachmittag eine Screeningsprechstunde für die zu operierenden orthopädischen Patienten. Die zweite Gruppe reiste mit einem Wasserflugzeug direkt von Dhaka an. Schiff: Das Schiff ist ein 3 Mast Rahsegelschiff (12 m hoch) mit einem tiefgehenden Kiel von 4 Metern welches bis 2011 Greenpeace gehörte (Rainbow Warrior II) und 2012 an Friendship übergeben wurde. Mittlerweile wird das Schiff nur noch mittels Motor angegetrieben, die Segel sind nicht gehisst, aber funktionsfähig. Im November 2012 wurde das Schiff nach dem Umbau zum Floating Hospital feierlich von Friendship eingeweiht und wurde in den Golf von Bengalen entsendet. Dort wechselt es sechs mal im Jahr den Standort, um die Menschen in den ländlichen, medizinisch unversorgten und katastrophen-anfälligen Gebieten im südlichen Bangladesch medizinisch zu versorgen. Das Schiff kommt immer wieder an die bereits versorgten Gebiete zurück, um nachhaltig und großflächig die Patienten zu betreuen. Das Schiff ist hervorragend ausgestattet. Auf kleinstem Raum finden wir:  4 Behandlungszimmer, eine gut sortierte Apotheke, ein sehr gut ausgestattetes Labor, ein Röntgengerät und ein Zahnröntgengerät 4 m unter der Oberfläche, über steile Treppen erreichbar, liegen 2 Operationsräume (Augen und Allgemein) einen Dampfsterilisator, einen Aufwachraum mit 4 Feldbetten, Umzieh- und Waschraum für die Chirurgen. Schlafmöglichkeiten für Ärzte und Crewmitglieder, Toiletten und Dusche, Küche, Aufenthalts- und Essraum im Zwischendeck. Im Außenbereich ist hier die Anmeldung eingerichtet, sowie 16 Feldbetten unter blauen Planen, auf denen die operierten Patienten regen- und windgeschützt untergebracht sind. Der Koch versorgte uns mit 3 Mahlzeiten am Tag und ging auf Wünsche unsererseits ein. Überhaupt war die Schiffsmannschaft ständig darauf bedacht, uns die Tage so angenehm wie möglich zu gestalten. Tagesablauf: Die ambulanten Behandlungen konnten beginnen, sobald  die Patienten frühmorgens von Land mit den Booten gebracht wurden. Die operativ zu versorgenden Patienten wurden bereits am Vortag auf das Schiff verlegt. Die Operationen begannen um 8 Uhr morgens und endeten um 18 Uhr. Krankenvisite war vor OP Beginn. Für die ambulanten Konsultationen legten die einheimischen Mitarbeiter kleine Krankenhefte an, maßen Blutdruck, Gewicht und Temperatur und führten ein Erstinterview über die Beschwerden durch. Dann wurden die Patienten von den jeweiligen Ärzten aufgerufen und in die Behandlungsräume gebracht. Die Konsultationen und Behandlungen fanden dort statt, es wurden Rezepte ausgeschrieben, welche die Patienten in der Apotheke einlösen konnten. Patienten die eine Operation benötigten, trug man in eine Warteliste für die nächste medizinische Mission ein. Hierfür wurde die Mobilfunknummer des Patienten notiert. Der Operationsplan für die bereits vorgescreenten Patienten wurde vom Op-Team mit Dr. Rashed festgelegt und am Vorabend ausgedruckt und ausgehängt. Beschaffung der Räume/Hygiene: Trotz der räumlich beengten Möglichkeiten, auf Grund des tiefliegenden Schiffbauches, konnten die hygienischen Anforderungen eingehalten werden. Hierfür gab es einen Dampfsterilisator, der die medizinischen Instrumente, OP Kleidung und Abdecktücher innerhalb von 2 ½ Stunden wieder aufbereiten konnte. Da mehrere OP Sets vorhanden waren, konnten wir ohne Wartezeiten sämtliche Patienten versorgen. OP Instrumente waren teils vorhanden, teils wurden sie durch uns ergänzt. Die Räume waren sehr sauber und wurden regelmäßig gereinigt. Patientengut: Orthopädische Operationen: Insgesamt 18 Operationen, darunter posttraumatische Fingerkontrakturen, Weichteiltumore unterschiedlichster Genese und Größe, Fuß- und Handdeformitäten Konservative Tätigkeit wie Orthesenherstellung und Anpassung mit Thermoplastmaterial und Klettverschlüssen und Gipsen von akuten Frakturen und angeborenen Deformitäten Chirurgische Operationen: 24 Leistenhernien und 3 Ganglien. Zusätzlich Verbandswechsel der aus der 1 Gruppe operierten Patienten. Anästhesie: Spinalanästhesie, allgemein Narkosen, Analgosedierung. Postoperative Schmerztherapie (Medikamente waren teilweise vorhanden) Pädiatrie: Täglich ca. 35-40 Patienten Diagnosen waren in erster Linie Luftwegsinfekte, daneben das sonstige paediatrische. Spektrum Plizinfektionen, Läuse, einz. Hautkrankheiten, besonders Skabies, auffällig viele Hydrocelen,chron. Otitis med. Neben diesen akuten Diagnosen gab es eine allzugroße Gruppe von Kindern mit schwerster Behinderung, bei denen sich in fast allen Fällen ein Bezug zur geburtshilflichen Betreuung und Entbindung herstellen ließ. Schwerste spast. Paresen, schwerste Hypotonien, meist mit schwerer geist. Behinderung. Geburtstraumat. Luxationen Physiotherapie: ca. 20 Patienten. Cerebralparesen Gelenkfunktionsstörungen und Blockierung (auch ISG) Kontrakturen/Narben, Fuß Deformitäten, Funktionsstörungen durch Fehlbelastung, Skoliosen, HWS Syndrom, Schultersteife. Entwicklungsstörung beim Kleinkind. Diagnostisch/Therapeutische  Möglichkeiten: Labor, Röntgen, Ultraschall Abdomen, Medikamente, Verbandsmaterial, Gips, Thermoplast Sprachbarrieren /Kulturelles: Sämtliche Mitarbeiter sprachen gut Englisch und konnten aus den verschiedenen Bangla Dialekten übersetzen. Trotz des muslimischen Hintergrundes, war für männliche Patienten die Ganzkörperuntersuchung durch einen weiblichen Arzt  kein Problem. Alle waren sehr dankbar für Untersuchung und Therapie. Fazit: Die Zusammenarbeit mit Friendship Bangladesch war sehr erfolgreich und befriedigend. Das medizinische Schiffspersonal war hochmotiviert und würde sicherlich von einer langfristigen Zusammenarbeit profitieren. Fr. Licht und Fr. Olischläger besuchten in der zweiten Woche noch ein weiteres, flussgebundenes Floating Hospital im Norden des Landes, um sich die Gegebenheiten und eventuellen Möglichkeiten auch für einen Einsatz auf diesem, kleineren, Schiff zu evaluieren. Zusätzlich behandelten sie auch dort Patienten. Bei nächsten Missionen sollte auf Wunsch des dortigen Ärztemanagers, ein weibliches chirurgisch- gynäkologisch-proktologisches Team für die medizinisch minder versorgte weibliche Bevölkerung mitreisen, des weiteren werden auch Zahnärzte gebraucht. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit sollte das Training der Mitarbeiter an Bord sein, was z.B. Verbands- und Gipstechnik angeht, Hygienefortbildung und Wundversorgung.  Erstellt: Dr. Jörg Hausdorf, 17.02.2017